Fernsehtipp
37 Grad - Mein Kind im Vollrausch (Wdh.)
Anna ist eine erfahrene Kinderärztin. In der Notaufnahme des Klinikums München-Schwabing gehört die Versorgung von schwer alkoholisierten Jugendlichen zu ihrem Berufsalltag. Dass Rettungssanitäter eines Nachts ihren eigenen Sohn Jonas einliefern würden, damit hätte sie trotzdem nie gerechnet.
Ihr 16-jähriger Junge: bewusstlos, hilflos, besudelt mit Erbrochenem, nicht ansprechbar. Alkoholpegel: 2,5 Promille. "Ich habe als Ärztin funktioniert, ihn versorgt, und mir erst später die Frage gestellt, die sich in solchen Fällen wohl alle Eltern stellen: Wie konnte das passieren?"
"Ich war viel unterwegs, selten Zuhause", sagt Jonas rückblickend. Die Ehe der Eltern ging gerade auseinander. "Ich habe gespürt, dass da nichts mehr zu retten ist". Traurigkeit und verborgene Ängste - ist das eine mögliche Erklärung für diesen Alkoholexzess?
Kati, Realschülerin in der südbadischen Grenzstadt Rheinfelden, trinkt inzwischen gar keinen Schnaps mehr. Als einzige in ihrer Clique. Wodkamixgetränke gehörten früher bei Feiern am Wochenende oder auch nachmittags ganz selbstverständlich mit zum Repertoire der alkoholischen Getränke, die sie konsumierte, um "schnell dicht" zu werden. "Es ist dann einfach lustiger. Man wird lockerer", sagt die 15-Jährige, die älter aussieht und deshalb in den Getränkeläden nie nach ihrem Ausweis gefragt wird. Auch Kati ist schon einmal mit akuter Alkoholvergiftung in der Kinderklinik gelandet.
Nach einer feuchtfröhlichen Feier im Park neben der Schule, am letzten Tag vor den Weihnachtsferien. "Ein sixpack Bier, ein oder zwei Flaschen Sekt, eine halbe Flasche weißen Wodka", das war ihre persönliche Ration an diesem Morgen, noch vor Unterrichtsbeginn. Ein Mitschüler bricht in der Schultoilette zusammen und kommt ins Krankenhaus. Kati wird im Unterricht müde, rutscht aus der Bank. "Aber die Lehrerin hat nicht weiter nachgefragt".
Der totale Zusammenbruch kommt erst später, am Nachmittag, nach einer weiteren Saufrunde. Katis Eltern, angesehene Handwerker, sind entsetzt und ratlos. Haben sie sich zu wenig um Kati gekümmert? Was erreicht man mit Verboten bei einer 15-Jährigen, die schon so erwachsen wirkt?
Karin ist gegenüber ihren fünf Kindern zu keinerlei Kompromissen bereit. "Alles zu seiner Zeit. Aber Gesetz ist Gesetz. Und die Bestimmung, dass Jugendlichen unter 16 jede Form von Alkoholgenuss untersagt ist, macht Sinn." Ihre gerade erst 12-jährige Tochter Joana konnte der Versuchung dennoch nicht widerstehen. Auch ihr wird eine spontane Feier am letzten Schultag vor den Ferien zum Verhängnis. Eine Flasche mit Apfelkorn, der süß wie Limonade schmeckt, macht die Runde. Das schmächtige Mädchen greift zu, immer wieder.
Auf der Heimfahrt bricht Joana im Schulbus zusammen. Mitschüler tragen sie in ein Wartehäuschen, rufen erschrocken den Notarzt. "Warum aber haben alle zugeschaut, wie sie sich betrank bis zum Umfallen. Warum hat ihr keiner die Flasche weggenommen?" Fragen, mit denen Joanas Mutter alle Jugendliche konfrontiert, die damals mit in der Waldhütte saßen. In Joanas Familie gilt die Regel: Kein Tropfen bis zum 16. Lebensjahr. Keine harten Drinks unter 18. Wird sie sich künftig daran halten? "Wir fragen uns manchmal schon, ob wir unser Viertel Wein noch trinken dürfen, ohne den Kindern damit ein schlechtes Vorbild abzugeben", sagen Karin und Franz, beides bodenständige Bayern, die viel Wert legen auf ihr intaktes dörfliches Familienleben.
37 Grad erzählt die Geschichte von drei Jugendlichen, die den Totalabsturz erlebt haben.Von drei Familien, die versuchen, daraus ihre Lehren zu ziehen.
(Quelle: ZDF Senderinformationen)
Kritik:
focus.de, Fernsehclub:
„37 Grad: Mein Kind im Vollrausch“
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