Freitag, 10. Februar 2012

Neue Top-Studie

Alkohol-Monopol in Schweden verhindert massiv Gewalttaten und andere Schäden durch Alkohol

Eine Studie legt dar, dass die Privatisierung des Alkoholverkaufs in Schweden einen deutlichen Anstieg von Gewalttaten und anderen Schäden zur Folge hätte. Je nach dem, wie stark die Privatisierung ausfallen würde, gehen die Experten davon aus, dass der Alkoholkonsum um 17 bis 37 Prozent steigen würde.  Es gäbe Tausende mehr alkoholbedingte Todensfälle, Überfälle und Verkehrsstraftaten - sowie einen Anstieg der Krankheitstage um 11 Millionen. Das berichtet "Medical News Today".

Durch Systembolaget, das schwedische Alkoholverkaufs-Monopol, werden in Schweden die Verkaufsstellen kontrolliert, in denen Getränke mit über 3,5 Prozent Alkoholanteil verkauft werden müssen. Die Rechtmäßigkeit des Monopols steht auf dem Prüfstand, seit Schweden 1995 der EU beitrat. Aber Systembolaget abzuschaffen, hätte wohl ernsthafte Konsequenzen: Experten aus sieben Forschungszentren in fünf Ländern haben die Auswirkungen von zwei unterschiedlichen Privatisierungsmodellen untersucht, die eines Tages das Alkoholmodell Schwedens ablösen könnten.

  • Im ersten Szenario wurden die 400 Filialen des Systembolaget durch rund 800 Läden ersetzt, in denen, staatlich lizenziert, ausschließlich Alkohol verkauft wird. Die Zahl der Verkaufsstellen würde somit verdoppelt werden.

    Verglichen mit Systembolaget-Läden, wären die privaten Geschäfte voraussichtlich länger geöffnet, würden günstigeren Alkohol anbieten, ihn an Minderjährige verkaufen, und mit Werbung den Umsatz - und damit den Alkoholkonsum – steigern. Die Experten sagen für dieses Szenario, mit lizensierten Läden, voraus, dass der Alkohol-Konsum um 17 Prozent ansteigen würde, was 770 mehr Todesfälle pro Jahr, 8.500 mehr Übergriffe, 2.700 mehr Verkehrsdelikte, und 4,5 Millionen zusätzliche Krankheitstage zur Folge hätte.
     

  • Das zweite Szenario, dass darin besteht dass Alkohol im Lebensmittel-Einzelhandel angeboten wird, hätte schlimmere Folgen:

    Derzeit gibt es in Schweden 8000 Geschäfte, die Bier verkaufen, mit einem Alkoholgehalt unter 3,6 Prozent. Wenn diese Geschäfte auch sie stärkeren Alkoholika verkaufen würden, würde sich die Zahl der Verkaufsstellen um den Faktor Zwanzig erhöhen. Wie in den Lizenzläden gäbe es längere Öffnungszeiten, niedrigere Preise, der Alkohol würde an Minderjährige abgegeben, und der Verkauf durch Werbeaktionen angekurbelt.
    In diesem Szenario prognostizieren Experten einen 37-prozentigen Anstieg des Alkoholkonsums, mit einem jährlichen Anstieg um 2.000 Alkohol-Todesfälle, 20.000 Übergriffen, 6.600 Verkehrsdelikten, und - atemberaubenden - 11 Millionen Krankheitstagen.

Die Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass, die Studie zwar auf den bestverfügbaren Evidenzwerten basiert, es allerdings bei dieser Art der Arbeit erhebliche Konfidenzintervalle gibt. Die Ergebnisse sind als wahrscheinliche Entwicklung zu sehen und nicht als exakte Prognosen.

Suchtforscher in anderen Ländern beobachten die Situation in Schweden mit großem Interesse. Laut Professor Thomas Babor an der University of Connecticut (USA), haben diese Ergebnisse nicht nur Auswirkungen für Schweden, sondern für alle Länder, die seit den 1930er Jahren erfolgreich staatliche Monopol-Systeme betreiben:

Mit dem zunehmendem Druck der Alkohol-Industrie, die Alkoholmonopole in den USA und anderen Ländern abzubauen oder zu schwächen, sei es wichtig, daran zu erinnern welche Vorteile die Aufrechterhaltung der angemessener Kontrollen über die Verbreitung und Vermarktung von alkoholischen Getränken für die Volksgesundheit habe und die enormen Risiken aufzuzeigen, wenn man diese Kontrollen beseitigt.

In den USA prüfen derzeit die Staaten Virginia und Washington, den staatsmonopolistischen Verkauf von Spirituosen im Einzelhandel zu beenden.

Der Co-Autor der Studie Ted Miller schätzt, unter Berufung auf die Studie, dass, wenn dort der Alkoholverkauf privatisiert wird, der Spirituosen-Umsatz um 21Prozent und der Alkoholkonsum insgesamt um 6 -7 Prozent steigen würde. Miller erklärt, dass der erhöhte Verbrauch, allein dem Staat ca. 50 Mio Dollar Kosten würde (vor allem Justizkosten) und setzt die Gesamtschäden auf ca. 1 Mrd. Dollar an. Die staatlichen Alkohol-Einnahmen würden im Gegenzug massiv sinken.
(Quelle: Medical News Today)

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