Dyckmans: Angriffe auf abstinente Lebensweise
Alkoholpolitik - wo bist Du?
Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) hatte zum Gespräch geladen: "Alkoholpolitik quo vadis?" war das Thema. Mittendrin in der gemütlichen Runde, die neue Drogenbauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP).
Sie hatte die Gelegenheit der Alkohollobby ihre alkoholpolitischen Ziele und Strategien vorzustellen. Ein Streitgespräch, könnte man meinen, angesichts der über 70.000 Alkoholtoten, der über 20.000 Jugendlichen mit Alkoholvergiftung und der über 10.000 Alkohol geschädigten Babys im Jahr in Deutschland. Doch weit gefehlt.
Der „BSI unterstützt die Ausrichtung der Alkoholpolitik der Drogenbeauftragten“, Mechthild Dyckmans (FDP), war die Botschaft am Ende des Gesprächs. Aus Sicht des Verbandes ist das nachvollziehbar. Denn Frau Dyckmans erklärt, dass sie keinen Bedarf sieht, die Gesetze zu ändern, um den Alkoholmissbrauch einzudämmen.
Den Rest der Litanei kennen wir schon von ihr:
Verkaufsbeschränkungen, Werbeverbote und neue gesetzlichen Reglementierungen hält sie für ungeeignete Mittel und erteilt ihnen eine klare Absage. Weitere Plattitüden vom „Alkohol als Kulturgut “, das aus unserem Leben nicht mehr weg zu denken sei, und so weiter, folgen; man kann sie in der Pressemitteilung des BSI oder in jedem Dyckmans-Interview nachlesen. Aus gegebenem Anlass gab es noch eine Extralob für die Industrie, die "aktiv Verantwortung übernimmt und diese auch lebt".
Neu ist, dass ihrer Meinung nach, "die Extreme" zwischen Abstinenz und Komasaufen immer größer werden würden, und das wichtigste jetzt Aufklärung sei; die kommt natürlich von ihr. Menschen könnten “eigentlich den Mittelweg sehr schlecht einhalten."
Sind abstinent lebende Menschen plötzlich Extremisten, oder wie ist das zu verstehen? Frau Dyckmans will wohl mit diesem Ausspruch die Abstinenzverbände diskreditieren, in eine extreme Ecke stellen und prophylaktisch vom Diskurs ausschließen.
„Besonders gefährdet seien junge Leute, die eigentlich abstinent seien, aber isoliert und vereinsamt lebten und deshalb alles versuchten, um auch "dazuzugehören". Sie seien oft diejenigen, die in Lebensgefahr gerieten, weil sie ohne Einbindung in eine Gruppe auch keiner sozialen Kontrolle unterlägen.“, zitiert die TAZ Frau Dyckmans.
Klar! Saufen muss gelernt sein, oder? Wer zu Juvente oder zur BlauKreuz-Jugend gehört, ist selbst schuld, begibt sich praktisch freiwillig in Lebensgefahr.
In das selbe Horn bläst ein gewisser Prof. Dr. Quensel. Jahrgang 1936, der ebenfalls zum „Roundtable“ geladen war und als Klaqueur der Alkohollobby, ob ihrer so gelungenen „Präventions-Kampagnen“, auftrat:
"Wollen wir die Jugendlichen erreichen, dann müssen wir auch die soziale Funktion des Alkoholkonsums im kulturellen Umfeld der Jugendlichen ernst nehmen. Aus den Ergebnissen der Jugendsoziologie heraus sollten wir eher das Ziel der Alkoholmündigkeit verfolgen und nicht absolute Abstinenz predigen“, wird Prof. Dr. Quensel in der Pressemitteilung des BSI zitiert.
Allmählich könnte beim Leser die Frage auftauchen, was die ganze Veranstaltung nun mit Alkoholpolitik zu tun hatte. Die Frage stellt sich zu Recht, denn keine einzige der von der Industrie großspurig vorgestellten Kampagnen entspricht der Kategorie „alkoholpolitisch wirksam“. Wer es nicht glaubt, muss nur einen Bliclk auf die Statistik werfen.
Zum Abschluss hätten wir noch einen Vorschlag für den nächsten Runden Tisch. Nennt ihn doch einfach „Alkoholpolitik ubi es?“.
(Quellen: Pressemitteilung des BSI - Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V.,
taz.de)
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