Freitag, 10. Februar 2012

„Voll im Blick“

Bremen: Gemeinsam gegen Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen

Immer öfter werden Kinder und Jugendlich mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus einge-liefert. 402 Kinder und Jugendliche waren es im Land Bremen im letzten Schuljahr (2008/09), fast die Hälfte von ihnen war unter 16 Jahren alt.

"Wir erkennen zwei gegenläufige Trends", so Dr. Joachim Schuster, Staatsrat im Sozialressort. Einerseits habe die Anzahl der Jugendlichen, die Alkohol trinken, in den vergan-genen Jahren abgenommen und gleichzeitig habe der exzessive Alkoholkonsum bei denjenigen, die trinken, zugenommen. Sich schnell und stark zu betrinken, ist bei vielen Jugendlichen noch immer angesagt und eine Art Freizeitbeschäftigung“, so Schuster weiter.

"Dieser Herausforderung stellt sich Bremen nun mit einer abgestimmten Strategie, dem Konzept ‚Voll im Blick’", ergänzte Innensenator Ulrich Mäurer. Zusätzlich zu den vielfältigen Maßnahmen der Suchtprävention werde so ein Beitrag zum sofortigen Eingreifen bei Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen geleistet. "Dafür arbeiten Polizei, Schule, Krankenhäuser und Beratungsstellen eng zusammen, ohne dabei den Datenschutz zu verletzen", so Mäurer weiter.

Kinder oder Jugendliche, die betrunken aufgegriffen werden, sollen künftig nicht nur durch Polizei, Lehrerschaft oder Klinikpersonal beraten werden. "Mit Einverständnis der Eltern und Jugendlichen können die Betroffenen direkt an das Zentrum für schülerbezogene Beratung vermittelt werden. Dort sollen etwa zwei Wochen nach der Trunkenheit Einzelberatungen und für geeignete Fälle auch Gruppenangebote wahrgenommen werden. Im Gruppenangebot werden den Kindern und Jugendlichen in drei Treffen von je eineinhalb Stunden die Wirkungsweise und die Gefahren des Alkohols bewusst gemacht", sagte Rolf Günther vom Landesinstitut für Schule. Die Kinder und Jugendlichen würden außerdem lernen, ihr eigenes Konsumverhalten zu beobachten und zu kontrollieren und so Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen. Die Gruppenaktivitäten enthalten viele erlebnispädagogische Elemente und orientieren sich an Angeboten in anderen bewährten Projekten, die von den Teilnehmenden durchweg positiv beurteilt werden.

Derzeit werden vom Landesinstitut für Schule (Gesundheit und Suchtprävention) Vereinbarungen mit Bremer Krankenhäusern geschlossen. "Wenn ein Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert wird, machen wir uns große Sorgen. Vor allem geht es dann darum, weiteren Alkoholexzessen vorzubeugen. Wir sind deswegen sehr glücklich über das Angebot von 'voll im Blick'", sagt Dr. Martin Claßen, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Krankenhaus Links der Weser.

Auch andere Institutionen - Ärzte und niedergelassene Therapeuten - werden einbezogen, wenn es im Verlauf der Beratungen sinnvoll erscheint und die Einwilligung der Betroffenen vorliegt. Bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung wird darüber hinaus sofort der Kin-der- und Jugendnotdienst eingeschaltet.

Das Konzept „Voll im Blick“ entstand im Rahmen des Handlungskonzepts „Stopp der Jugendgewalt“. Es dient der Früherkennung von Alkoholmissbrauch von Kindern und Ju-gendlichen und startet mit der Einführung in den Kliniken ab sofort. Bei dem Projekt kooperieren das Bildung-, das Sozial- und das Innenressort. Die Federführung für das Projekt hat das Landesinstitut für Schule.
(Quelle: Pressemitteilung der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, Bremen)

siehe auch:

09.12.11
Ergebnisse der Auswertung vorgestellt
Die Knappschaft und der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V. beenden erfolgreich ihr Präventionsprojekt, die "Hackedicht - Schultour der Knappschaft", nach einem Jahr Laufzeit. Gemeinsames Ziel war es, Kinder und Jugendliche f...
05.12.11
"Hausparty" und "Fischen" gewinnen beim Corporate Media Festival
Zwei aktuelle Aufklärungsspots der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben beim diesjährigen Meisterwettbewerb Corporate Media hohe Auszeichnungen gewonnen. Die Spots "Hausparty" (zur Alkoholprä...
19.09.11
Alkoholprävention in Sportvereinen fördern
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben die Aktion "Alkoholfrei Sport genießen" gestartet. Von September 2011 bis Dezember 2012 sind alle Sportvereine in...
15.09.11
Herbstaktion zu Alkoholprävention
Anlässlich der bevorstehenden Volksfeste, wie das am Wochenende startende Oktoberfest in München oder die "Cannstatter Vasen" Ende September, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) allen...
29.07.11
Rauschfrei durch den Sommer
Der Sommer ist Hochsaison bei den Peers der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Seit Mai sind die speziell geschulten jungen Menschen auf Festivals, an Stränden, bei Sport-Events und in Innenstädten unterwegs,...
07.06.11
Bundeswettbewerb
Elf Kommunen wurden gestern Abend für ihre vorbildlichen Aktivitäten zur Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen in besonderen Lebenslagen ausgezeichnet. Die Preisverleihung erfolgte durch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr,...
28.05.11
Webtipp "20 Minuten online"
"Die Alkoholprävention in der Schweiz sei zu lasch, meint Ruedi Löffel, Suchtexperte beim Blauen Kreuz. Er bevorzugt Preiserhöhungen und ein Verbot für Unter-18-Jährige."[...] bei 20 Minuten online weiterlesen
23.03.11
BZgA sensibilisiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol
In Deutschland haben schätzungsweise 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren Alkoholprobleme. Das heißt, sie trinken Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Etwa 1,3 Millionen von ihnen sind alkoholabhängig. Um die...
23.03.11
Neues Projekt zur Alkoholprävention in nordrhein-westfälischen Kommunen gestartet
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) startet gemeinsam mit der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW (ginko) sowie dem Landschaftsverband Rheinland, den Jugendschutzverbänden und dem Landeskriminalamt...