Alarmierender Anstieg des kindlichen Alkoholkonsums
Deutsche Kinderhilfe fordert die Innenministerkonferenz zum Handeln auf
Der Alkoholkonsum von Kindern ist in den letzten zehn Jahren um 170 Prozent gestiegen. Diese höchst alarmierende Zahl gab Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, heute bekannt. Allein im Jahr 2008 mussten 25.700 Kinder und Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden.
Die drastische Zunahme von immer mehr Kindern, die mit schwerer Alkoholvergiftung in die Kliniken gelangen, verdeutlicht, dass die Politik nicht länger die Hände in den Schoß legen darf. Skrupellose Geschäftemacher, die Alkohol an Kinder und Jugendliche abgeben, eine Alkoholindustrie, die sich entgegen anderslautender Lippenbekenntnisse ganz gezielt Jugendliche in aufwendigen Lifestylekampagnen als Zielgruppe gesucht hat, eine kommunale Überwachungspraxis, der die Parkraumbewirtschaftung wichtiger als der Jugendschutz ist und immer mehr Eltern, denen der Umgang ihrer Kinder mit Alkohol schlichtweg egal ist – dies sind die Herausforderungen, vor denen die Bundesländer stehen und die dringend angefasst werden müssen. '
Ein weiteres Untätigsein oder Symbolaktionen wie einen erneuten „runden Tisch“ darf es nicht geben. Hier geht es konkret um Leib und Leben von Kindern. Alkoholvergiftungen bei Kindern haben stets irreversible Folgen.
In vielen europäischen Ländern ist ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot schon längst Standard. In Deutschland hat erst ein Bundesland, Baden-Württemberg, ein solches beschlossen – nach jahrelangem Ringen.
Die Landesinnenministerkonferenz konnte sich bislang weder über ein nächtliches Verkaufsverbot noch über den Einsatz von Testkäufern oder die Einführung einer Kostentragungspflicht für Rettungseinsätze nach sog. Komasaufen einigen. In kaum einem Bereich wirkt sich der Föderalismus so negativ aus, wie im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes. Die Deutsche Kinderhilfe fordert, dass sich die Innenministerkonferenz dieses Themas annimmt und auf den traurigen Rekord endlich reagiert.
„Dass 4.500 Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt werden mussten, zeigt, dass sich die Politik ihrer enormen Verantwortung noch nicht bewusst zu sein scheint. Welches Ausmaß muss der Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen noch annehmen, damit sich die Politik dieses offenkundigen Missstandes in der Gesellschaft endlich annimmt?“, so Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.
(Quelle: Pressemitteilung Deutsche Kinderhilfe)
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