Glosse: Die Flasche als Waffe
Flaschendrehen war gestern
Die Bayern wissen es schon lange: Leere Biergefäße eignen sich hervorragend im Nahkampf. Deshalb ist der reguläre Oktoberfest-Maßkrug auch mit einer Sollbruchstelle ausgestattet. Als Wurfgeschoss eignet sich der Maßkrug weniger, da kommt er eher ins Trudeln. Das liegt an den aerodynamischen Eigenschaften. Bierflaschen sind dafür allerdings bestens geeignet. Hat man den Dreh raus, schafft man locker dreißig Meter und muss nicht mal aus der Deckung gehen.
Man erinnere sich an die Szene in "2001: Odyssee im Weltraum": Der Frühmensch erkennt den Knochen in seiner Hand als Waffe, spürt die Macht und schleudert ihn in den Himmel. So ähnlich muss sich der erste Chaot gefühlt haben, der eine Flasche warf. Er trank sie aus, hielt sie leer in seiner Hand und dann kam blitzartig diese Erkenntnis: "WOOOW, das kann man ja auf Bullen werfen...". Und als es dann die anderen Chaoten sahen, taten sie ihm gleich. Sie haben aufgerüstet - und das zeigt Wirkung.
"Ich habe mit meinem Pulverlöscher in Richtung der Angreifer gezielt. Sonst hätte ich keine Chance gehabt." Was sich wie ein Kriegesbericht liest, ist das Zitat eines Düsseldorfer Feuerwehrmanns. Er musste ausrücken weil Hooligans nach dem Aufstieg von Fortuna in der Altstadt randalierten und Feuer legten. Ähnliche Flaschen-Attacken gab es unter anderem in Köln, Barcelona und zuletzt bei einem Pfingstkonzert in Berlin.
So zeichnet sich ein neuer Trend ab, den die Alkoholversorgungsindustrie bereits erkannt hat: "Die Zukunft gehört dem Einweg - Neue Studie untersucht Trends bei Bierverpackungen". Mehrweg erreicht kaum noch die gebotenen Umlaufzahlen.
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