Von den Medien kaum beachtet
Gewalt gegen Frauen – ein großes Problem im europäischen Alltag
Am 25. November fand der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Die Medien nahmen das kaum zur Kenntnis. Das passt zum allgemeinen Umgang mit diesem Thema. Meist schaffen es nur einzelne Fälle in die Schlagzeilen. Dabei hat in Europa jede vierte Frau körperliche Gewalt mindestens einmal während ihres Erwachsenenlebens erlebt. Die europäische Jugendorganisation "Active - sobriety, friendship and peace" nahm den Tag zum Anlass, auf die Rolle des Alkohols in diesem Zusammenhang hinzuweisen.
„Gewalt gegen Frauen ist eine ungeheure Verletzung der Menschenrechte und es passiert jeden Tag draußen in Europa, in Heimen, Schulen, Hinterhöfen, auf öffentlichen Plätzen. Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass es in Europa immer noch Entwicklungsländer gibt, wenn es um die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und die tatsächliche Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft geht", sagt die Präsidentin der Organisation Andrea Lavesson.
Gewalt gegen Frauen ist ein komplexes Problem. Im Vereinigten Königreich werden zum Beispiel rund 230 Frauen an einem Tag vergewaltigt - zur gleichen Zeit werden nur 800 Vergewaltiger in einem Jahr verurteilt. „Ein Drittel der Vergewaltiger sind alkoholisiert. Bis zu zwei Drittel aller sexuellen Übergriffe können mit Alkoholeinwirkung in Verbindung gebracht werden. Andere Zahlen sprechen eine noch klarere Sprache: 71 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt in Irland und Island stehen im Zusammenhang mit Alkohol und in 43 Prozent der schweren körperlichen Missbrauchsfälle durch Männer ist Alkohol im Spiel.“, erläutert Kristina Sperkova, Generalsekretärin des Active.
Laut einer Umfrage, die innerhalb des EU-Programms DAPHNE durchgeführt wurde, betrachten 95% der Europäer Alkohol als einen entscheidende Faktor hinter der Gewalt gegen Frauen.
Als Reaktion auf diese Zahlen zieht Andrea Lavesson den Schluss, dass "wir dieses Thema auf die Tagesordnung an 365 Tagen im Jahr stellen sollten, nicht nur am 25. November.“ Sie fordert ein konzertiertes Vorgehen aller relevanten Institutionen und politischer Organisationen, um den Gesamtverbrauch von Alkohol in den europäischen Gesellschaften zu senken - was das Leid der Frauen, sicherlich senken würde.
Gewalt gegen Frauen hätte in vielerlei Hinsicht katastrophale Auswirkungen und es sei klar, dass Alkohol dabei eine wesentliche Rolle spiele. Das verlange, von den Entscheidungträgern, dass sie hart dagegen vorgehen. Für den nächsten Gedenktag wünscht sie, dass es endlich sichtbare Fortschritte gibt.
(Quelle: Pressemitteilung von Active - sobriety, friendship and peace)


