Freitag, 10. Februar 2012

Glosse

Handel will sich jetzt wirklich ernsthaft selbst kontrollieren

Endlich ist er da, der große Schlag gegen das Komasaufen. Der Handelsverband hat eine Vereinbarung mit der Bundesdrogenbeauftragten geschlossen, dass es Zeit ist, Alkohol-Verkäufe endlich wirklich wirksam zu kontrollieren. Aber dieses Mal ernsthaft. Und damit nichts schiefgeht, übernimmt der Handel die Kontrollen selbst. Und diese finden "im Zweifel generell" statt.

Gernerell ist es zweifelhaft wenn sich der Bock zum Gärtner macht und diesen auch noch des Feldes verweisen will. Wie die Sache laufen soll ist klar: Die kommunalen Aufsichtsbehörden sollen ihre verdeckten Vermittler zurückpfeifen und den Tankstellen wieder ihr Kerngeschäft ermöglichen, nämlich unter Umgehung der Ladenöffnungszeiten Sprit unters Volk zu bringen.

Ein neuer Scheriff ist in der Stadt und der regelt die Sache: Josef Sanktjohanser, Präsident des HDE. „Na. Milchgesicht, bist Du alt genug für einen ordentlichen Whiskey?“ tönt es aus dem vollbesetzten Saloon. Das Milchgesicht fasst an seine Tasche, will den Ausweis ziehen, doch - zu langsam.

Im wahren Leben würde sich die Sache etwas anders abspielen, denn die Losung die Sanktjohanser ausgibt lautet: „Besser, dreimal zu oft nach dem Ausweis fragen, als einmal zu wenig.“ Aber an drakonischen Strafen soll auch im richtigen Leben nicht mangeln: „Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz müssen schnell und wirksam geahndet werden“, von den Landesregierungen meint er, die gar nicht zuständig sind, weil das die kommunalen Aufsichtsbehörden im Zweifel generell sind oder vielleicht sogar ein Gericht.

Bei diesem Wort läuft es dem Neoliberalen schaudernd den Rücken runter. Soll der Staat auch noch die Frechheit besitzen Gesetze zu kontrollieren? Gewaltenteilung haben sie sich anders vorgestellt.

siehe auch:

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