Freitag, 10. Februar 2012

Aktionswoche Alkohol: Ärzte sehen mit Sorge den Alkoholkonsum Minderjähriger

Hessenauer: „Verbot der Alkoholwerbung ist überfällig“

Berlin, 15.06.2009
„Wir brauchen gesetzgeberische Initiativen, um dem übermäßigen Alkoholkonsum in Deutschland entgegenzuwirken. Ein generelles Verbot der Alkoholwerbung ist längst überfällig“, sagte Prof. Dr. Frieder Hessenauer, Vorsitzender des Ausschusses „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer, anlässlich der Aktionswoche Alkohol, die in diesem Jahr unter dem Motto steht „Alkohol? Kenn dein Limit“.

Die gesundheitlichen Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums werden nach wie vor unterschätzt. Rund 9,5 Mio. Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form, etwa 1,3 Mio. Menschen gelten als alkoholabhängig. „Es geht nicht darum, Alkohol generell zu verteufeln“, betonte Hessenauer. „Es sollte sich aber jeder fragen, ob sein Alkoholkonsum gesundheitlich vertretbar ist. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens kann viel zur Klärung dieser Frage beitragen.“

Mit großer Sorge sehen die Ärzte den Alkoholkonsum Minderjähriger. „Besonders alarmierend ist, dass immer mehr Minderjährige mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden“, sagte Hessenauer. Hochproblematisch sei in dieser Hinsicht die verführerische Werbung für Alkoholprodukte, mit der vor allem Jugendliche angesprochen würden. Szenen wie karibische Partys am Strand oder coole Nächte in Diskotheken vermittelten den Jugendlichen ein Gefühl von Freiheit und sozialer Zugehörigkeit. „Mit solchen Botschaften will die Alkoholindustrie, allen voran die Hersteller von Biermischgetränken, Jugendliche an den regelmäßigen Alkoholkonsum heranführen. Diesem Treiben dürfen wir nicht länger tatenlos zusehen“, unterstrich der Suchtexperte der Bundesärztekammer.

„Die Gesellschaft muss umdenken, denn Tatsache ist: Alkohol ist ein Genussmittel, das bei übermäßigem Konsum krank machen kann. Erwachsene müssen sich gerade hier ihrer Vorbildfunktion gegenüber Kindern und Jugendlichen bewusst sein“, sagte Hessenauer. Außerdem sollten Ärzte das Gespräch mit ihren Patienten suchen, um über die Folgen von riskantem Alkoholkonsum aufzuklären. Deshalb habe die Bundesärztekammer gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Leitfaden zur Behandlung von Patienten mit Alkoholproblemen erarbeitet, der bereits in der ärztlichen Praxis eingesetzt werde.
(Pressemitteilung der Bundesärztekammer)

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