Fernsehtipp: Lebenslüge Alkohol
Ich war mein eigener Patient
Er war mehr als 26 Jahre Leiter der Suchtklinik im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Der heute 68jährige Dr. Rüdiger-Rolf Salloch-Vogel wurde als anerkannter Suchtexperte gefeiert und hat vielen Alkoholikern das Trinken abgewöhnt - während er selbst stark Alkohol abhängig war. Der Film begleitet ihn in seinem privaten und beruflichen Umfeld und erkundet sensibel seine Lebenstragödie.
Niemand bemerkte, dass Dr. Salloch-Vogel selbst Alkoholiker war, denn er trank nie im Dienst, sondern immer erst nach der Arbeit. Er dachte, dass er jederzeit aufhören könnte -eine Lebenslüge, die ihn all seine Kraft kostete. Zwei Ehen scheiterten, zwischenmenschliche Beziehungen blieben auf der Strecke, denn er habe sich als Trinker von Gott und den Menschen entfernt, wie er heute sagt.
Nach 30 Jahren Lebenslüge erreichte er im April 1989 den tiefsten Punkt seiner Krankheit und spürte, dass er sterben würde, wenn er nicht vom Alkohol abließ. Er hörte schlagartig auf zu trinken und outete sich vor Freunden und Kollegen.
Die Scham kam erst danach und mit ihr die schwerste Krise seines Lebens. In dieser Zeit glaubte er ein Zeichen Gottes zu spüren und sah dieses als Chance, zum Leben zurückzufinden. Seitdem versteht Dr. Salloch-Vogel seinen Beruf als Berufung. Bis zu seinem Ruhestand Ende 2004 arbeitete er als Leiter der Suchtklinik im Jüdischen Krankenhaus.
Im August 2006 übernahm er als Chefarzt den Therapiehof Sottenhausen und arbeitet erstmals auch mit suchtkranken Kindern und Jugendlichen. Dabei begegnet ihm noch einmal das Drama seines Lebens.
Dokumentation von Petra Cyrus (2008)
(Text: PHOENIX)


