Freitag, 10. Februar 2012

Binge Drinking und Alkoholwerbung

Informationen, Hintergründe, Handlungsoptionen

Alkohol ist eine toxische und abhängig machende Substanz. Dies wollen die meisten Menschen in Deutschland nicht wahrhaben, sie verbinden Alkoholkonsum allein mit positiven Assoziationen: Jugendliche vor allem mit Party machen und Spaß haben. Durch Investitionen in Werbung und Sponsoring von jährlich einer Milliarde Euro allein in Deutschland schafft es die Alkoholindustrie, in allen Lebensbereichen dauerhaft präsent zu sein.

Binge-Drinking, der Konsum großer Mengen Alkohol in kurzer Zeit (5 Gläser oder mehr bei einer Gelegenheit), hat vielfältige Gründe. Neben entwicklungspsychologischen Erklärungsansätzen müssen die strukturellen Rahmenbedingungen, wie z.B. das Gaststättengesetz und das Jugendschutzgesetz, die Preisgestaltung durch Alkoholsteuern, die Verfügbarkeit von Alkohol sowie die Regulierung der Alkoholwerbung bei der Ursachensuche für riskantes Trinkverhalten einbezogen werden.

Wenn es um den Kauf alkoholischer Getränke geht, reagieren die Menschen wie beim Kauf anderer Konsumgüter: Je preiswerter und erschwinglicher, desto mehr! Steigt der Preis für Alkohol, sinkt die Menge des konsumierten Alkohols. Besonders empfindlich auf Preiserhöhungen reagieren Jugendliche, Menschen, die viel Alkohol trinken und Menschen, die über wenig Geld verfügen. „Steueranhebungen zur Preiserhöhung alkoholischer Getränke sind eines der effizientesten Instrumente zur Reduzierung des Binge-Drinking im Alkohol-Billigland Deutschland“, sagt Gabriele Bartsch, Referentin für Grundsatzfragen der DHS.

Eine vergleichbar wichtige Rolle für die Reduzierung der Konsummenge spielt die Verfügbarkeit von Alkohol, d.h. die Dichte des Verkaufsnetzes und die Ladenöffnungs- bzw. -schlusszeiten. Je höher die Anzahl von Schankstellen und Verkaufsstellen für Alkohol und je kürzer die Sperrstunden bzw. je länger die Ladenöffnungszeiten sind, desto größer ist der Umsatz und Konsum von Alkohol.

Alkoholwerbung zielt darauf ab, das Produkt den potenziellen Kunden schmackhaft zu machen, es in bestimmten Lebensbereichen zu platzieren und die Marke mit einem bestimmten Lebensgefühl zu verbinden, um so das Produkt besser zu verkaufen. Gerade Alkoholwerbung fördert in besonderem Maße die Stilisierung alkoholischer Getränke zu Lifestyle-produkten mit einem jugendlichen, dynamischen und positiven Image. Insbesondere bei Jugendlichen löst Alkoholwerbung falsche Erwartungen bezogen auf den Alkohol­konsums aus. Die besondere Ausrichtung von Werbung, Sponsoring und Produktdesign auf Jugendliche macht deutlich, dass die bestehenden Selbstregulierungsmechanismen der Alkoholproduzenten und Werbefachleute nicht ausreichen, um Jugendliche vor den subtilen und verführerischen Marketingstrategien wirksam zu schützen.

Die zwei neuen Factsheets der DHS zu den Themen „Binge-Drinking und Alkoholvergiftung“ und „Alkohol und Werbung“ bieten eine Zusammenstellung der Zahlen und Fakten zu Ausmaß und Hintergründen der Probleme sowie Handlungsempfehlungen für die politische Umsetzung.

Die DHS fordert:

  • einen „Policy Mix“ aus verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen und Gesetzen
     
  • die Einführung eines generellen Verbots von Alkoholwerbung und -marketing
     

(Quelle: Pressemitteilung der DHS - anlässlich der Pressekonferenz zur Eröffnung der 49. DHS Fachkonferenz SUCHT)

siehe auch:

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Webtipp: Basler Zeitung
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30.12.11
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06.12.11
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