Freitag, 10. Februar 2012

Hessen

Junge Menschen im Kreuzbund

Das Problem ist bekannt: Die verschiedenen Verbände von Sucht-Selbsthilfegruppen beklagen allesamt ihre Schwierigkeiten bei der Integration von suchtgefährdeten bzw. schon abhängigen jungen Menschen. Mit dem Projekt „Brücken Bauen – Junge  Suchtkranke und Selbsthilfe“ hatten sie sich deshalb vorgenommen, bestehenden Hürden zu überwinden.

Brücken bauen“ wurde zwischen 2003 und 2006 aus Mitteln  des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert. Es wurden Multiplikatoren ausgebildet, um in ihren Verbänden maßgeschneiderte Angebote für junge Suchtkranke zwischen 20 und 30 Jahren zu starten.

Beim Kreuzbund führte diese Arbeit zum Projekt „DJMiK – Die jungen Menschen im Kreuzbund“. Es wurde als Arbeitsbereich mit entsprechender Priorität beim Bundesvorstand etabliert. Der Kreuzbund Diözesanverband Mainz war von Anfang an dabei; gleichzeitig wurde in Mannheim eine Gruppe aufgemacht, die speziell junge Suchtkranke aufnahm und eine Anlaufstelle für  Patienten des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) wurde. Weitere Aktivitäten wurden in Darmstadt, Bingen und später in Groß-Gerau gestartet.

Eine Evaluierung auf Ebene des Kreuzbundes Diözesanverband Mainz im Jahr 2009 zeigt nun die ersten positiven Trends auf:  Der Anteil der Gruppenbesucher unter 40 Jahren stieg von  knapp 8 Prozent im Jahr 2003 auf über 24 Prozent im Jahr 2009. In der Gruppe zwischen 22 – 30 Jahren wird die Entwicklung besonders deutlich: Nur 2 Personen in diesem Alter besuchten die Angebote des Kreuzbundes Diözesanverband Mainz in 2003, sechs Jahre später waren es 68.

Weitere Ergebisse der Erhebung waren, dass der Anteil von Hilfesuchenden mit Alkohol als Suchtform zwischen 2003 und 2009 leicht abgenommen hat, und zwar von 92 auf 84 Prozent. Der Anteil jener, die von illegalen Drogen abhängig sind, hat sich in den sechs Jahren konstant und signifikant von 0 auf über 5 Prozent entwickelt. Der Kreuzbund Hessen weist in seiner Pressemitteilung darauf hin, dass diese Zahlen den Selbsthilfegruppen zu denken geben sollte, da dadurch neue Belastungen in die Gruppen drängen, mit denen man sich bisher noch nicht ausreichend auseinandergesetzt hat. Um von illegalen Drogen Abhängige auch halten zu können, müsse noch Einiges in den Gruppen geschehen.

Gruppen, die sich heute schon verstärkt den jungen Suchtkranken geöffnet haben, werden mit weiteren Verhaltensstörungen und Abweichungen konfrontiert, die eine Gruppe schnell an die Belastbarkeitsgrenze treiben kann. Depression, Borderline-Syndrom, Glückspielsucht, IT-Sucht, Essstörungen und anderes sind heute im jungen Alter keine  Seltenheit mehr. Ein Anbindung der Gruppe an professionelle Hilfe und gute Kontakte zu den Beratungsstellen werden umso notwendiger.

Der Begriff der Polytoxikomanie ist für die klassischen Selbsthilfegruppen das „Schreckgespenst“ schlechthin. Es beschreibt die Abhängigkeit der Hilfesuchenden  von mehreren illegalen Drogen und/oder Alkohol/Nikotin gleichzeitig. Oft geht sie einher mit Beschaffungskriminalität oder anderen Straftaten. Immer häufiger kommen Betroffene in die Gruppen, die  gerichtliche Auflagen erfüllen müssen oder unter Bewährungsaufsicht stehen. Bei Mehrfachabhängigen gab es einen starken Anstieg zwischen 2008 und 2009, von 5,4 Prozent auf fast 9 Prozent. Gespräche mit Betroffenen lassen vermuten, dass es hier eine große Dunkelziffer gibt, von denen bisher nur sehr wenige in den Selbsthilfegruppen angekommen sind.

Die statistischen Erhebungen, die in Hessen jährlich durchgeführt werden, zeigen eindeutig, dass die Selbsthilfegruppen für junge Suchtkranke nicht nur ihre Berechtigung haben, sondern bereits eine erfolgreiche Arbeit nachweisen können. Will die Suchselbsthilfe ihre selbst gestellte Aufgabe erfolgreich erfüllen, sind diese Gruppen dringend erforderlich.
(Quelle: Pressemiteilung des Kreuzbund Hessen, Abteilung DJMiK)

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