Viele warten wohl umsonst
Kein Sucht und- Drogenbericht 2010?
Bereits im Februar hat nichttrinker.com erfahren, dass die Bundesdrogenbeauftragte, in diesem Jahr keinen Sucht- und Drogenbericht veröffentlicht. Die Verlautbarung aus "gut unterrichteten Kreisen" verdichtet sich immer mehr zur Wahrheit. Viele warten wohl umsonst auf neue Zahlen Anfang Mai.
In Berlin hat Frau Dyckmans die Zahlen zu den illegealen Drogen getrennt veröffentlicht und konnte in diesem Teilbereich Erfolge vermelden. In welcher Form Zahlen zum Takak- und Alkoholkonsum folgen, ist noch unklar; ein gemeinsamer, großer, Sucht- und Drogenbericht ist aber somit hinfällig.
Die strikte Trennung von illegalen Drogen und legalen Drogen macht vielleicht politisch Sinn, ist aber wissenschaftlich nicht zu halten. Diese schmerzliche Erfahrung musste unlängst Dyckmans englischer Kollege Nutt machen, der aus seinem Amt geschasst wurde, da er forderte, dass legale und illegale Drogen in einer Schadens-Klassifizierung aufgeführt würden und dafür eine Rangfolge vorlegte, in der Alkohol an fünfter Stelle kommt - nach Kokain, Heroin, Schlafmitteln und Opium. Auch das Statististische Bundesamt hat zum „Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch" noch einmal klargestellt, dass es in Deutschland fast sieben Mal mehr Krankheits- und Todesfälle durch legale als durch illegale Drogen gibt.
Wissenschaft und Alkoholpolitik stehen sich in Deutschland, mit Frau Dyckmans als Beauftragte, diametral entgegen. Frau Bätzing hatte sich wenigstens bemüht, mit Fachleuten zusammenzuarbeiten und die Ergebnisse in die Politik einfließen zu lassen.
Als Beispiel: Der letztjährige Sucht- und Drogenbericht bezieht sich auf einige hochinterssante Studien zum Einfluss der Werbung auf den jugendlichen Alkoholkonsum. Was macht Frau Dyckmans? Sie stellt sich dagegen, mit ihrer- ganz persönlichen - Auffassung, dass die Wirkung der Werbung überschätzt würde.
Soe stellt sich die Frage: Welcher ernstzunehmende Fachmann will mit Frau Dyckmans eigentlich noch zusammenarbeiten? Wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht ins Konzept passen werden einfach ignoriert oder abgewertet. Das lässt sich in dieser Form keiner gefallen.
In sofern ist es vielleicht ganz gut, dass es in diesem Jahr keinen Sucht- und Drogenbericht geben wird. Wer will schon einen Bericht, der aus der Feder der "Fachleute" des BSI stammt? Auf der anderen Seite ist es natürlich schade: Denn, durch der letzten Suchtbericht ist in der Öffentlichkeit auf große Aufmerksamkeit gestossen und hat den Blick auf die massiven Schäden gelenkt, die der Alkohol in unserer Gesellschaft anrichtet. Aber vielleicht will man das an entscheidender Stelle gar nicht.
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