Konferenz in Athen
Leber-Experten warnen: Europäer trinken sich zu Tode
Auf einem internationalen Kongress zum Thema Lebererkrankungen haben die Fachleute am 11. Dezember in Athen Alarm geschlagen: Europa versagt im Umgang mit den lebensbedrohenden Auswirkungen des übermäßigen und regelmäßigen Alkoholkonsums seiner Bürger. Ernsthafte Krankheiten, wie Leberzirrhose, steigen in einem erschreckenden Maß, und - es sind mehr jüngere Menschen betroffen.
Lebererkrankungen sind die häufigsten gesundheitlichen Schäden, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind; und in Europa wird mit 11 Litern reinen Alkohols im Jahr pro Erwachsenen weltweit am meisten getrunken. Da eine Reihe von politischen Maßnahmen unwirksam waren, Gesundheitsprobleme und Todesfälle, die in Zusammenhang mit Alkohol stehen, zu bekämpfen, diskutierten sie auf eine Konferenz in Athen, ein Maßnahmen-Sortiment. Die Veranstaltung wurde von der EASL (European Association for the Study of the Liver) organisiert.
Besondere Sorgen machen den Forschern, der regelmäßige schwere Alkoholmissbrauch Erwachsener und das Rauschtrinken unter Jugendlichen. Täglicher Alkoholkonsum verdoppelt das Risiko, die Leber zu schädigen im Vergleich zum ein- oder zweimaligen Konsum in der Woche. Das Risiko steigt signifikant ab einer Menge von circa 20cl reinen Alkohol in der Woche (weniger als einem kleinen Bier oder einem kleinen Weinglas pro Tag) und steigt dramatisch bei der doppelten Menge.
Dr. Nick Sheron, von der Universität von Southampton, erklärte: "Um die Risiken effektiv zu bewerten, ist es notwendig, dass die Maßeinheiten in EU standardisiert werden. Es ist ein weit verbreitetes Problem, dass die Konsumenten nicht wissen, was genau unter einer „Alkohol-Einheit“ zu verstehen ist.“ Für die Patienten sei es deshalb schwierig zu erkennen, wie sich ihr eigener Alkoholkonsum auf die Gesundheit auswirken kann.
Auf der Konferenz schlugen die Leber-Experten vor, das Konzept der Alkohol-Einheiten in ganz Europa zu überdenken und auf „Zentiliter reinen Alkohols“ zu standardisieren. Das Screening von Patienten könnte so vereinheitlicht, und Risikogruppen, wie übergewichtige Patienten, besser berücksichtigt werden. (Einen Überblick über die verschiedene Maßeinheiten bietet Wikipedia).
Neue Forschungsergebnisse, die auf der auf der Veranstaltung vorgestellt wurden, werfen außerdem ein neues Licht auf die Erkenntnis, dass ernährungsbedingte Risikofaktoren, wie Adipositas, und Alkoholkonsum additive Effekte bei der Entwicklung von Lebererkrankungen haben. Schwere Trinker mit Adipositas-assoziierter Diabetes haben ein neun Mal höheres Risiko, Leberkrebs zu entwickeln im Vergleich zu denen ohne.
Des weiteren wurde von den Experten darauf hingewiesen, dass im Kampf gegen alkoholbedingte Lebererkrankungen, Präventionsmaßnahmen, die lediglich auf das Verhalten der Konsumenten abzielen ("Verhaltensprävention"), nicht effektiv genug seien. Vielmehr ginge es darum, die Verfügbarkeit von Alkohol einzuschränken und, zum Beispiel, Alkoholfahrten stärker zu sanktionieren ("Verhältnisprävention"). Solche Maßnahmen seien in Europa zwar vorhanden, werden aber nicht vollständig umgesetzt.
Eine wesentliche Rolle wird dabei der Alkoholindustrie zugeschrieben. Deren Haltung, Empfehlungen von Gesundheitsexperten zu bezweifeln, während sie Alkohol bewirbt, zeigt sich als ein Hindernis auf dem Weg zu einer besseren Gesundheit, das beseitigt werden muss.
(Quelle: European Association for the Study of the Liver)

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