Kommentar
Nicht nur den BSI fragen
"Jugendliche sollen lernen, mit Alkohol moderat umzugehen." Mit dieser Forderung beginnt eine "Nachricht" auf der offiziellen Regierungswebsite RegierungOnline. Wer diese Forderung stellt, ist allerdings unklar. Denn seitdem Frau Dyckmans den Posten der Budesdrogenbeauftragten besetzt, lässt kaum mehr unterscheiden, wer die Nachrichten unters Volk bringt.
Jedenfalls äußert sich Frau Dyckmans in Pressemitteilungen des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie (BSI) häufiger als über das eigene Pressebüro. Und der Verband war auch dieses mal wieder Anlass für Lobeshymnen, denn er legte die Jahresbilanz seiner "Schulungsinitiative Jugendschutz" vor.
40.000 Teilnehmer hätten das internet-basierte Training seit 2007 absolviert. Andere Quellen sprechen von 31.000 Teilnehmern, die das Programm mit einem Zertifikat abgschlossen hätten. Das hört sich viel an, ist es aber nicht. Das nicht einmal 6 Prozent der im Lebensmitteleinzelhandel Beschäftigten. Kein Grund zu feiern.
"Zentraler Punkt ist, dass auf Grund des Trainings, vermehrt Kontrolle stattfindet", befindet die Drogenbeauftragte. Woher sie das weiß, oder wer es ihr geflüstert hat, können wir nur vermuten. Wir halten uns lieber an evaluierte Zahlen:
Fakt ist, dass seit 2007, dem Beginn des Programms, die Zahl der Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, immer noch ansteigt, und Fakt ist, dass Niedersachsens Innenminister Schünemann es für einen Fortschritt hält, dass nur noch 40(!) Prozent der Testkäufe erfolgreich sind. Und, nicht zuletzt, ist es Fakt, dass Jugendliche nicht lernen können, moderat mit Alkohol umzugehen, das hat unlängst eine niederländische Studie belegt.
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