Freitag, 10. Februar 2012

Alkohol in Zahlen

Schweiz: Alkohol-Konsum 2009 leicht rückläufig - aber neue Problemfelder

Der jährliche Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in der Schweiz war 2009 erneut rückläufig: Er beträgt nun 8,6 Liter reinen Alkohol. Diese Zahlen bestätigen den sinkenden Trend, der sich seit zwanzig Jahren beobachten lässt. Obwohl der Gesamtkonsum rückläufig ist, tauchen neue, problematische Formen des Alkoholkonsums, wie beispielsweise das Rauschtrinken oder der Wochenendalkoholismus auf. Das totalrevidierte Alkoholgesetz, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet, enthält gezielte Massnahmen zur Bekämpfung dieser Probleme.

Der Gesamtkonsum aller alkoholischen Getränke sank im Jahr 2009 von 8,7 auf 8,6 Liter reinen Alkohol pro Kopf der Bevölkerung (zu Vergleichszwecken werden alle Alkoholika auf 100 Volumenprozente umgerechnet). Gegenüber 2008 ist das ein Rückgang um einen Deziliter reinen Alkohol. Dies entspricht 2,5 Deziliter Spirituosen, einer Flasche Wein oder rund zwei Liter Bier. Diese Zahlen bestätigen den sinkenden Trend, der sich seit zwanzig Jahren beobachten lässt. Seit 1990 verringerte die Schweizer Bevölkerung demnach ihren jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols um 2,2 Liter.

Der effektive Verbrauch in Litern verteilt sich wie folgt auf die verschiedenen Arten von alkoholischen Getränken: Der Konsum von Wein sank um 0,7 Liter pro Kopf auf 37,9 Liter, der Obstweinkonsum ging leicht auf 1,5 Liter pro Kopf zurück (1,6 Liter im Jahr 2008) und auch der Bierverbrauch war rückläufig. Er sank auf 57,3 Liter pro Kopf gegenüber 58 Liter im Jahr 2008. Der Spirituosenkonsum sank ebenfalls und liegt nun wieder auf dem Niveau von 2006, d.h. 3,9 Liter zu 40 Volumenprozent (2008: 4,0 Liter).

Trotz einem generell rückläufigen Trend beim Alkoholkonsum gehören der Alkoholmissbrauch und seine sozialen Folgen zu den  zentralsten gesundheitspolitischen Problemen der Gegenwart. Das ist kein Widerspruch. Während die Gesamtbevölkerung im Durchschnitt pro Kopf immer weniger alkoholische Getränke konsumiert, steigt im Gegensatz der Konsum einzelner Risikogruppen. Dies führt zu neuen problematischen Formen des Alkoholkonsums wie dem Rauschtrinken oder dem Wochenend-Alkoholismus.

Diese Phänomene betreffen vorwiegend junge Leute. Um diesen Problemen beizukommen braucht es gezielte Massnahmen und Lösungen. Im Rahmen der Totalrevision des Alkoholgesetzes, die sich bis zum 31. Oktober 2010 in der Vernehmlassung befindet, schlägt der Bundesrat verschiedene Massnahmen vor. Dazu gehören insbesondere ein Verbot der Gratisabgabe von Alkohol, eine Ausweitung der Pflicht zu kostendeckenden Preisen für sämtliche alkoholischen Getränke, eine Beschränkung der Lockvogelangebote für Wein und Bier sowie die Pflicht für Getränkeausschänke, mindestens drei alkoholfreie Getränke anzubieten, die billiger sind als die günstigsten alkoholischen Getränke.
(Quelle: Eidgenössische Alkoholverwaltung EAV)

Alkohol in Zahlen 2010
Download

Alkoholkonsum in der Schweiz

Der Rückgang ist minim und mit dem allgemeinen Trend zu gesünderem Leben zu erklären. Die seit den 90er-Jahren vom Staat betriebene Gesundheitsförderung hat praktisch nichts gebracht. Die im neuen Alkoholgesetz nun vorgesehenen Massnahmen sind völlig ungenügend. Sie zielen auf die Jugend ab und vermeiden, die Erwachsenenwelt mit ihrem schlechten Vorbild in die Verantwortung zu nehmen. In Deutschland, wo eben auch die aktuellen Zahlen veröffentlicht wurden, werden 3 Liter reinen Alkohol pro Erwachsenen als Zielvorstellung genannt. Für uns würde dies heissen, dass wir immer noch mehr als das Dreifache davon konsumieren. (Bei uns sind die Zahlen pro Kopf berechnet.)

siehe auch:

13.09.11
Alkohol in Zahlen:
Der Konsum an alkoholischen Getränken in der Schweiz war 2010 erneut leicht rückläufig. Er betrug 8,5 Liter reinen Alkohols, alle alkoholischen Getränke zusammengenommen. Seit Anfang der Neunzigerjahre ist der Pro-Kopf-Konsum...
29.07.10
Download
Herausgeberin Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV), Bern 2010 Download (pdf, 44 Seiten, 1,4MB)
25.02.10
Statistik der Eidgenössischen Alkoholverwaltung
Die Steuereinnahmen wie auch der Pro-Kopf-Konsum von Spirituosen sind stabil geblieben. Der Marktanteil der im Inland hergestellten Spirituosen erreichte mit 13 Prozent den tiefsten Wert seit Beginn der statistischen Erfassung. Die widrigen...
04.02.10
SFA Schweiz:
In der Schweiz konsumieren Minderjährige jährlich alkoholische Getränke im Wert von ungefähr 220 Millionen Franken. Zwei Drittel dieser für das Jahr 2007 geschätzten Summe betreffen Jugendliche, an die kein Alkohol...
09.02.12
Sucht Schweiz
Was ändert der Alkohol am Verhalten im Strassenverkehr? Eine neue Website von Sucht Schweiz orientiert über die Risiken und liefert wichtige Fakten, in prägnanter und animierter Form. Zugeschnitten auf Schülerinnen und Schü...
30.01.12
Statistisches Bundesamt
Im Jahr 2011 setzten die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager insgesamt rund 98,2 Millionen Hektoliter Bier ab. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ging damit der Bierabsatz gegenüber dem Vorjahr...
27.01.12
"Nachtregime"
Der Bundesrat hat die Botschaft zur Totalrevision des Alkoholgesetzes verabschiedet. Er unterbreitet den Eidgenössischen Räten zwei Gesetzesentwürfe: das Spirituosensteuergesetz und das Alkoholhandelsgesetz. Parallel zur...
25.01.12
Webtipp: Basler Zeitung
"Auch die Gesundheitspolitiker im Ständerat wollen Notfallbehandlungen nach Alkoholexzessen von der Krankenversicherung ausnehmen. Die Kassen und Spitäler warnen vor Abgrenzungsproblemen." [...] bei Basler Zeitung weiterlesen
21.01.12
Sucht Info Schweiz
Wer fährt, trinkt nicht. Dieses Motto gilt laut Sucht Info Schweiz auch für jene, die Skis und Snowboards anschnallen. Wer auf der Piste eine gute Figur machen will, verzichtet auf Alkoholisches. „Zwätschge Lutz und Wunderkafi...