Freitag, 10. Februar 2012

Unbedenkliche Alkoholmengen gibt es nicht

Studie: Binge Drinking schadet nachhaltig dem Gedächtnis

Forscher der britischen Northumbria University haben nachgewiesen, dass Binge Drinking („Komasaufen“) die Gedächtnisleistung von Jugendlichen stark beeinflusst. Sie gehen davon aus, dass sie kognitive Fähigkeiten für ihr späteres Leben einbüßen.

Das „prospektive Gedächtnis“ ist dafür verantwortlich, Vorhaben zum rechten Zeitpunkt umzusetzen. Dazu zählen zum Beispiel das Einhalten von Terminen, die Einnahme vom Medikamenten oder eine Rechnung, pünktlich zu bezahlen. Es gehört zu den wichtigsten alltäglichen Gedächtnisfunktionen. Die Forscher untersuchten jetzt, ob es bei Teenagern, die Alkohol missbrauchen, beeinflusst wird.

Bei fünfzig Studenten wurden getestet, wie gut sie sich eine Folge von Aufgaben merken können: Es wurde ihnen ein 10-minütiges Video aus einem Einkaufsviertel gezeigt. Sie wurden daraufhin gebeten, bestimmte Anweisungen auszuführen, wenn sie einen der gezeigten Orte wiedererkennen.

21 der Studenten waren zuvor als „Komatrinker“ eingestuft worden, 29 Teilnehmer bildeten die Kontrollgruppe. Aus dem Teilnehmerfeld wurden Personen ausgeschlossen, die andere Substanzen (wie Marihuna oder Ecstasy) missbrauchten, oder innerhalb der letzten 48 Stunden getrunken hatten.

Die „Komatrinker“ zeigten bei dem Test deutlich schlechtere Leistungen: sie konnten Orte und Aufgaben viel seltener in Verbindung bringen als die Kontrollgruppe.

Noch sei nicht genau erforscht,  welche Mechanismen der Beeinträchtigung von alltäglichen kognitiven Leistungen durch das Binge Drinking zu Grunde liegen, meint Dr. Tom Heffemann, Leiter der Studie.  Es sei möglich, dass das exzessive Trinkverhalten die neurokognitive Entwicklung des Gehirns bei Teenagern störe. Es gibt immer mehr Anhaltspunkte, dass sich das Gehirn in diesem Alter  noch  erheblich in Entwicklung befindet und sich wichtige Strukturen und Funktionen erst herausbilden.

Wichtig sei, dass man erkenne, dass man keine unschädliche Alkohol-Höchstmenge für Jugendliche aussprechen kann. Die Studie spiegele keinen ungewöhnlich hohen Alkoholkonsum wieder, vielmehr sei es die Norm, dass in dieser Gruppe zwei- oder dreimal die Woche exzessiv getrunken wird.

Ein weiteres bedenkliches Ergebnis der Studie ist, dass die Jugendlichen selbst nicht wahrnehmen, dass ihre Gedächtnisleistung eingeschränkt ist; sie nehmen den Schaden nicht wahr den der Alkohol bereits angerichtet hat.
(Quelle: Northumbria University)

siehe auch:

12.10.11
Neue Ausgabe des BZgA-Newsletters
Rauschtrinken ist ein verbreitetes Phänomen bei Jugendlichen in Deutschland. Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt, dass sich knapp jeder fünfte 16- bis 17-jährige junge Mann...
17.05.11
Spanische Studie
Tierstudien haben Mitte 2010 gezeigt, dass Rauschtrinken (Komasaufen) mit Schäden am Hippocampus einhergeht, einer Hirnregion, die eine Schlüsselrolle beim Lernen und beim Gedächtnis spielt. Bei Heranwachsenden erfährt die Region...
24.11.10
Langzeitstudie mit 10.000 Männern
Britische und französische Mediziner haben das Herzinfarktrisiko in Bezug auf unterschiedliche Trinkgewohnheiten in ihren Ländern über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht. Die Daten von fast 10.O00 Männern, die zum Beginnn...
16.06.10
Webtipp NZZ Online
"Das Gehirn wird in der Jugend gründlich reorganisiert. Forscher nehmen an, dass es dann besonders empfindlich für die schädlichen Effekte von Alkohol ist. Studien zeigen die zugrundeliegenden Mechanismen auf."[...] bei NZZ...
01.06.10
Im Tierversuch bewiesen
Eine Untersuchung an Affen, die in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht wird, liegt nahe, dass  regelmäßiges jugendliches Komasaufen  dem Hippocampus langfristig schadet. Das...
30.05.10
Webtipp
Die Ausgabe III des Schülerthemendienstes der DAK beschäftigt sich dieses Mal mit dem "Binge-Drinking" oder Komasaufen, wie es in Deutschland genannt wird.  Ein DAK-Suchtexperte beschreibt die jugendlichen Risikotypen, es...
12.05.10
Techniker Krankenkasse
Der Trend zum exzessiven Rauschtrinken bei Teenagern setzt sich fort. So ist die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen 2009 im Vergleich zum Vorjahr erneut angestiegen - auf 2.550. Gerechnet auf jeweils 100...
21.04.10
EU-Studie
Das Europäische Statistikamt Eurostat hat heute eine Untersuchung zu den Alkohol-Gewohnheiten der EU-Bürger veröffentlicht. Deutschland schneidet dabei miserabel ab: 36 Prozent der Alkohol trinkenden Bundesbürger gaben an,...
18.11.09
Studenten unter Leistungsdruck
Einen starken Anstieg beim Alkoholmissbrauch von Studenten vermeldet  "Der Tagesspiegel". So bewerteten fast 20 Prozent der Befragten aller Studiengänge bei einer Umfrage an der Braunschweiger TU ihre Trinkgewohnheiten als...