Freitag, 10. Februar 2012

Nationale Gesundheitsstrategie gefordert

Studie der DKV: Nur 14 Prozent der Deutschen leben rundum gesund

Die DKV Deutsche Krankenversicherung und das Zentrum  für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln haben  heute in Berlin den DKV-Report „Wie gesund lebt  Deutschland?“ vorgestellt. Darin wird das  Gesundheitsverhalten der Deutschen in einer bisher nicht erreichten Tiefe untersucht.

Die GfK Nürnberg fragte dafür bundesweit rund 2.500 Menschen nach ihren Alltagsgewohnheiten. Untersucht wurden die wichtigsten Aspekte für einen gesunden Lebensstil: die körperliche Aktivität der Menschen, die Qualität ihrer Ernährung, ihr Nikotin- und Alkoholkonsum und ihr Stressempfinden. Bei der Auswertung wurden jeweils gängige Benchmarks für die einzelnen Lebensstilbereiche verwendet, so etwa die Empfehlungen der WHO für ein Mindestmaß an  körperlicher Aktivität und die Ernährungsempfehlungen der  Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Schwerpunkt der  Erhebung war der Bereich Bewegung.
 
Nur 14 Prozent der Befragten erreichten die gesetzten  Benchmarks in allen Bereichen – nur 14 Prozent der  erwachsenen Deutschen leben also rundum gesund. Das heißt  auch, dass die überwiegende Mehrheit der deutschen  Bevölkerung nicht oder nur teilweise gesund lebt. Konkret: Über  40 Prozent erreichen nicht einmal die Mindestempfehlung an  Bewegung, über 50 Prozent ernähren sich nicht ausgewogen,  über 25 Prozent rauchen, über 18 Prozent trinken in ungesundem  Maße Alkohol und über 50 Prozent empfinden ungesunden  Stress. Eine Fülle vor allem chronischer Krankheiten haben ihre Ursache zu großen Teilen in zuwenig Bewegung, ungesunder Ernährung und Übergewicht, das gilt besonders für Diabetes mellitus Typ II, Herz-Kreislauf-Krankheiten und  Skelettbeschwerden.

Nationale Gesundheitsstrategie gefordert
Günter Dibbern, Vorstandsvorsitzender der DKV, sieht sein
Unternehmen mit in der Verantwortung. „Die Gesundheitsprogramme, die die DKV ihren Versicherten anbietet, helfen tausenden Menschen, gesünder zu leben. Gesellschaftlich  gesehen sind sie aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  Gesundheitsförderung muss überall mitgedacht werden – in allen  gesellschaftlichen Bereichen.“ Ähnlich äußert sich der  wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Ingo Froböse vom  Zentrum für Gesundheit der Sporthochschule Köln. „Es geht nicht  um Verbote, sondern um Anreize für mehr Bewegung und ein  gesünderes Leben. Angefangen bei der Stadt- und Raumplanung  über die Sozial- und Verkehrspolitik bis hin zu Schulen und  Kindergärten – wir müssen unsere Welt so gestalten, dass wir in  ihr gesund leben können und wollen.“ 
 
Dibbern und Froböse forderten eine nationale  Gesundheitsstrategie für Deutschland. Dabei müssten alle  Politikfelder vernetzt werden. Aus den vielen guten Projekten  müssten endlich flächendeckende Maßnahmen entstehen. „Die  Gesundheitsförderung ist ein Zukunftsthema und gehört ganz  oben auf die politische Agenda“, erklärte Günter Dibbern. Er  regte einen nationalen Gesundheitsrat an, der die Handelnden vernetzen und der Politik kraftvolle Impulse geben könne.  
 
Sorgenkinder sind die jungen Erwachsenen
Auffällig ist die große Zunahme des Gesundheitsbewusstseins mit dem Alter, was besonders bei der Ernährung und beim  Rauch- und Stressverhalten zu Buche schlägt. Unter den über  65-Jährigen lebt jeder Fünfte rundum gesund. Die Kehrseite der  Medaille ist ein relativ ungesundes Verhalten bei den jungen  Erwachsenen, die besonders bei der Ernährung und beim  Konsum von Nikotin und Alkohol schlecht abschneiden. Bei den  unter 30-Jährigen leben dementsprechend nur sieben Prozent  rundum gesund. „Wir müssen bei der Gesundheitsförderung  stärker auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen blicken“,  erklärte Froböse. „Ich halte es daher für unzumutbar, dass der  Sportunterricht an den Schulen, gerade an den Berufsschulen, so  vernachlässigt wird.“

Die meisten wirklich rundum gesund lebenden Menschen  wohnen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier erreicht fast jeder fünfte die Benchmarks in allen fünf Gesundheitsbereichen.  Mecklenburg Vorpommern wird dicht gefolgt von Niedersachsen  mit Bremen. Dann folgen die Freistaaten Sachsen und Bayern.  Am unteren Ende der Skala finden sich Rheinland-Pfalz mit dem  Saarland, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In diesen Ländern erreicht nicht einmal jeder Zehnte alle Benchmarks. Damit hat  sich der übliche Vorsprung der südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern nicht bestätigt. Diese Länder rangieren  eher im Mittelfeld. Beim Anteil der rundum gesund lebenden  Menschen liegt Bayern an Platz 4 und Baden-Württemberg an  Platz 11. Dagegen finden sich die Sieger des Ländervergleichs in  allen Bereichen in den nördlichen und östlichen Bundesländern.
(Quelle: Pressemitteilung der DKV)