Donnerstag, 23. Februar 2012

Bisherige Maßnahmen reichen nicht

WHO: Alkohol am Steuer gerade zum Jahreswechsel eine tödliche Gefahr

Straßenverkehrsunfälle treten in der Wintersaison auch aufgrund vermehrten Alkoholkonsums vermehrt auf. Allgemein ist die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verkehrstoten aufgrund von Alkohol am Steuer in den meisten Ländern der Region rückläufig, auch wenn noch beträchtlicher Spielraum für Verbesserungen besteht.

Jedes Jahr verlieren in der Europäischen Region der WHO 120 000 Menschen durch Straßenverkehrsunfälle ihr Leben und 2,4 Millionen Menschen werden verletzt. Der Anteil der alkoholbedingt tödlichen Verkehrsunfälle variiert nach Schätzungen beträchtlich zwischen den Ländern. Nach den vorliegenden Daten liegt der Anteil in 13 Ländern bei 20 Prozent und darüber (bis zu 48 Prozent) und in 9 Ländern zwischen 10 Prozent und 20 Prozent. Die Informationen sind jedoch unvollständig, da lediglich 82 Prozent der Länder Daten mit Bezug zum Alkoholeinfluss auf Unfälle melden.

Viele junge in Unfälle verwickelte Fahrer stehen unter Alkoholeinfluss. Unabhängig von der Höhe des Alkoholspiegels im Blut sind Fahrer im Alter von 16 bis 20 Jahren mit dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit in einen Unfall verwickelt als Fahrer über 30. Straßenverkehrsunfälle sind in der Europäischen Region der WHO für die Altersgruppe 5 bis 29 Jahre die führende Todesursache.

Doch obwohl junge Menschen also prozentual gesehen am häufigsten an alkoholbedingten Verkehrsunfällen beteiligt sind, treten derartige Unfälle und Todesfälle in absoluten Zahlen gemessen am häufigsten im mittleren Alter auf.

Gesetze und ihre Durchsetzung in der Region
In allen Ländern der Region gibt es Gesetze gegen das Führen von Kraftfahrzeugen unter Alkoholeinfluss. Doch selbst wenn schon eine Höchstmenge des Alkoholspiegels im Blut (BAC) festgesetzt ist, deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass die von der WHO empfohlene weitere Herabsetzung auf 0,2 g/l zusätzliche Menschenleben retten könnte. Drei Länder haben gar keinen BAC-Wert festgelegt und in zwei Ländern (Malta und Vereinigtes Königreich) liegt die gesetzliche Obergrenze bei 0,8 g/l. Trotz der besonderen Gefährdung junger Fahrer haben weniger als die Hälfte aller Länder der Region eine BAC-Grenze für junge Fahrer bzw. Anfänger von ≤0,2 g/l eingeführt.

Zwar verfügen alle europäischen Länder über nationale Strategien gegen Alkohol am Steuer, doch ist deren Umsetzung noch vielfach problematisch. Zwei Drittel der Länder deuten an, dass die Durchsetzung ihrer Gesetzgebung noch zu wünschen übrig ließe. Einige berichten, dass die Strafen nicht ausreichend vor Alkohol am Steuer abschrecken.

Wirksame Durchsetzungsmaßnahmen sind u. a.:

  • deutlich wahrgenommene Stichprobenkontrollen mit Atemtest,
  • Sanktionen mit erheblichen persönlichen Folgen wie Bußgeld an Ort und Stelle, Verkehrssünderpunkte und ggf. Führerscheinentzug,
  • Öffentlichkeitskampagnen über Maßregeln und Strafen,
  •  Ärztliche Kurzberatung über schädlichen Alkoholkonsum und sicheren Genuss,
  • Gesetzgebung und Durchsetzung von Maßnahmen gegen Alkoholerwerb durch junge Menschen,
  • Verteuerung des Alkohols durch Abgaben.

Zentrale Grundsatzoptionen

  • Eine Absenkung der zulässigen BAC-Höchstgrenze am Steuer für Anfänger und Berufsfahrer auf 0,2 g/l oder darunter. Eine Absenkung der Promillegrenze für alle Fahrergruppen auf 0,2 g/l, die nach dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand mehr Menschenleben retten könnten,
  • Verstärkte Durchsetzung der Bestimmungen entweder durch mehr Zufallsstichproben mit Atemtest oder durch Maßnahmen zur Förderung der Angst vor dem Ertapptwerden. Die Täter sollten wissen, dass sie jederzeit das Risiko laufen, angehalten und zum Atemtest aufgefordert zu werden.

Außerdem sollte die Trennung von Trinken und Autofahren zur allgemeinen gesellschaftlichen Norm werden.
(Quelle: WHO)

siehe auch:

28.09.11
Aktionsprogramm für die Straßenverkehrssicherheit
Die EU soll die Verwendung von Alcolocks im gewerblichen Güter- und Personenverkehr fördern. Auch soll eine europaweite Geschwindigkeitsbegrenzung von 30km/h in Wohnungsgebieten angestrebt werden, heißt es in einer am Dienstag...
22.02.12
Fast 150 Alkohol-Unfälle
An Karneval setzten sich auch dieses Jahr wieder viele Autofahrer ans Steuer, obwohl sie zuvor Alkohol getrunken oder andere Rauschmittel genommen hatten. "Die Polizei kennt kein Pardon für Alkoholsünder. Jeder, der sich alkoholisiert...
09.02.12
Sucht Schweiz
Was ändert der Alkohol am Verhalten im Strassenverkehr? Eine neue Website von Sucht Schweiz orientiert über die Risiken und liefert wichtige Fakten, in prägnanter und animierter Form. Zugeschnitten auf Schülerinnen und Schü...
07.02.12
Unfallfahrten in der Faschingszeit immer wieder ein Problem
Ob Fasching, Karneval oder Fastnacht - in der fünften Jahreszeit geht es hoch her. Für viele Feierwillige gehört Alkohol genauso dazu wie ein einmaliges Kostüm. Verkleidung und Alkohol sorgen für ein unverkrampftes und...
03.02.12
Landessozialgericht Bayern
Verkehrsunfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeitsstelle nach Hause stehen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Besteht der Versicherungsschutz aber auch, wenn Alkohol im Spiel ist? Dazu hat das Bayerische Landessozialgericht...
02.02.12
Zurich Gruppe
Ob Karneval oder Fastnacht: Wenn die Fünfte Jahreszeit ihrem Höhepunkt entgegenschunkelt, fließt auch der Alkohol wieder in rauen Mengen. Die Zurich Versicherung in Deutschland weist darauf hin: Kommt es wegen Alkoholeinfluss zu Schl...
25.01.12
Umfangreiche Informationen für Autofahrer
Jeder zehnte Verkehrstote auf deutschen Straßen war im vergangenen Jahr auf Alkohol am Steuer zurückzuführen. Noch immer unterschätzen viele Autofahrer den Einfluss von Alkohol auf ihre Fahrtüchtigkeit. Wie kommt es zum...
14.12.11
Aus dem Polizeibericht
In der Zeit von Dienstagnachmittag bis zum frühen Mittwochmorgen fielen im Stadtgebiet erneut alkoholisierte und unter dem Einfluss von Drogen stehende Fahrzeugführer auf. Bei insgesamt fünf Pkw-Fahrern aus Gelsenkirchen ergaben die...
14.12.11
Mehr Verkehrstote in 2011
Rücksichtlose Fahrweisen, Alkohol, überhöhte Geschwindigkeit und die zunehmende Missachtung von Verkehrsregeln sind nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) verantwortlich für den Tod von rund 3900 Menschen im zu Ende...