Montag, 06. Februar 2012

Erweitertes Maßnahmenpaket gegen Gewaltkriminalität und Alkoholmissbrauch

Tübingen: Polizei macht Druck – Kontrollen sollen deutlich erhöht werden

Die vor zwei Jahren gemeinsam von der Polizeidirektion Tübingen, der
Staatsanwaltschaft, dem Landratsamt und den Kommunen getragene
Konzeption zur Bekämpfung der Gewaltkriminalität und des Alkoholmissbrauchs im Landkreis Tübingen“ wird in modifizierter Form auch in diesem Jahr weitergeführt.

Mit einem verstärkten Kräfteansatz soll die Kontrollfrequenz deutlich gesteigert werden, um die Problembereiche konsequent und nachhaltig bekämpfen zu können. Künftig werden in gemeinsamen Aktionen Beamte der Kriminalpolizei, des Polizeireviers Tübingen mit ihren Jugendsachbearbeitern und der Aufklärungsgruppe Straßenkriminalität, aber auch Kräfte der Bereitschaftspolizei nicht nur in Tübingen, sondern auch in Rottenburg und Mössingen verstärkt unterwegs sein.

Auch der Gemeindliche Vollzugsdienst der Stadt Tübingen wird sich an den Präsenz und Kontrollmaßnahmen beteiligen. Durch einen flexiblen Einsatz, der sich an aktuellen Veranstaltungen und bekannten Brennpunkten orientiert, sollen Aggressionen, Gewalt, unkontrollierter Alkoholkonsum, aber auch Ordnungsstörungen bereits im Ansatz unterbunden werden, um sie nicht erst im Nachhinein mit großem Aufwand „reparieren“ zu müssen.

Gegen Störer, insbesondere alkoholisierte oder gewaltbereite Jugendliche sowie gegen Personen, die entgegen den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes Alkohol an Minderjährige abgeben, werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dazu gehört auch, dass die Polizei gegenüber den Betroffenen ggf. Gebührenbescheide erheben wird.

Dass auch im Landkreis Tübingen Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Blick in die Kriminalstatistik: Sie weist landkreisweit im Bereich der Aggressionsdelikte (u.a. Raub, Körperverletzungsdelikte) für das zurückliegende Jahr einen Anstieg um 14,8 Prozent von 884 auf 1.115 Fälle aus. Mit 484 (383) Aggressionsdelikten ist insbesondere in der Stadt Tübingen eine Zunahme um 26,4 Prozent  festzustellen.

Als Brennpunkt hat sich in Tübingen die Südstadt und hier vor allem der erweiterte Bereich um das Depot-Areal heraus kristallisiert.
Von den 116 Gesamteinsätzen, die im Rahmen der „Vergnügungs-Szene“ in Tübingen erfasst wurden, entfielen alleine 86 Vorkommnisse auf diesen Bereich. In der Mehrzahl der Fälle war Alkohol der Gewaltkatalysator.

Bei ihren Kontrollen will die Polizei nicht nur Straftaten zurückdrängen, sondern auch Ordnungsstörungen (z.B. Lärm, Vermüllung, …) in ihren vielfältigen Erscheinungsformen unterbinden. Deshalb werden die Ordnungshüter im Sinne des Jugendschutzgesetzes besonders
ein Auge auf typische Jugendtreffs werfen, um den übermäßigen Alkoholgenuss (Vorglüh-Phase…) bei Jugendlichen zu verhindern.

Parallel hierzu sollen auch typische Verkaufsstellen von Alkohol (Tankstellen, Einzelhandel mit spät abendlichen Öffnungszeiten u.a.) unter die Lupe genommen, aber auch die Streifen im Umfeld von Diskotheken, Gaststätten und Veranstaltungen deutlich erhöht werden.

Im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten wird besonders darauf hingewiesen, dass die Gesamtstrategie nicht nur auf den Mitteln der Repression fußt. Vielmehr kommt auch dem präventiven Aspekt eine wichtige Rolle zu. Deshalb sind bei diesen Aktionen zudem Vertreter der Ordnungsbehörden und des Jugendamtes eingebunden, damit in einer „Hand-in-Hand-Arbeit“ vor Ort Hilfe und Beratung aus einem Guss erfolgen kann, so sich Handlungsansätze zeigen.

In der Nacht zum vergangenen Samstag wurden die ersten gemeinsamen Kontrollen durchgeführt. Dabei stellten sich zahlreiche Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen heraus.
So wurde beispielsweise kurz vor 23.00 Uhr in der Tübinger Steinlachallee ein 16-Jähriger angetroffen, der erheblich unter Alkoholeinwirkung stand. Er wurde wegen Verdachts auf Alkoholindikation in die Klinik eingeliefert. Wenig später fielen Jugendliche in der Südstadt auf, die mit hochprozentigem Alkohol unterwegs waren. Die angebrochene Flasche wurde von den Ordnungshütern entsorgt.

Daneben sind Angestellte des Gemeindlichen Vollzugsdienstes vornehmlich in der Südstadt gegen verschiedene Lärmbelästigungen eingeschritten.

Bei jenen Jugendlichen, die auffällig waren, wird es zu einem Elternbrief kommen.
(Quelle: Pressemitteilung der Polizei Tübingen)

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